Praxisleitfaden · Futures Trading
Futures Marktscanner richtig nutzen: Vom Scan-Ergebnis zum Tradeplan.
Ein Marktscanner findet interessante Situationen. Die Handelsentscheidung entsteht erst durch eine strukturierte Prüfung von Technik, Volatilität, COT, Saisonalität, Chance-Risiko-Verhältnis und Risiko.
In diesem Leitfaden
Grundprinzip
Der Scanner ist die Vorauswahl – nicht die Handelsentscheidung
Wer regelmäßig Futures beobachtet, kennt das Problem: Gold, Silber, Rohöl, Erdgas, Aktienindizes, Agrarrohstoffe, Soft Commodities und Währungen bewegen sich gleichzeitig. Alle Märkte jeden Tag mit derselben Intensität zu analysieren, ist weder effizient noch notwendig.
Ein Futures Marktscanner übernimmt deshalb zunächst die Funktion eines Filters. Anstatt zahlreiche Märkte einzeln zu öffnen und jedes Chart nach denselben Kriterien durchzugehen, kann ein Scanner systematisch nach vorher definierten Auffälligkeiten suchen.
Das Ergebnis sollte jedoch nicht einfach „Kaufen“ oder „Verkaufen“ lauten. Sinnvoller ist die Aussage: „Diesen Markt solltest du dir jetzt genauer ansehen.“
Damit verändert sich der gesamte Arbeitsprozess. Der Trader beginnt seinen Tag nicht mehr mit der Frage: Welchen Markt könnte ich heute handeln? Die bessere Frage lautet: Welche der heute auffälligen Situationen erfüllt tatsächlich meine Anforderungen an einen gut vorbereiteten Trade?
Genau darin liegt der Unterschied zwischen einem Scanner als Werkzeug und einem vermeintlichen Signaldienst. Der Scanner reduziert die Zahl der Märkte, mit denen sich der Trader intensiv beschäftigen muss. Die eigentliche Beurteilung bleibt bewusst beim Menschen.
Priorisierung
Die Trefferliste zunächst nur als Rangfolge betrachten
Nach einem Scan können mehrere Futures gleichzeitig interessant erscheinen. Jetzt sollte nicht automatisch der Markt mit der höchsten Punktzahl gehandelt werden.
Eine Bewertung oder ein Score hilft zunächst dabei, die Analyse zu priorisieren. Ein höher bewerteter Markt bedeutet, dass mehrere untersuchte Faktoren momentan auffällig sind oder zusammenpassen. Er bedeutet nicht, dass dieser Trade zwangsläufig gewinnen wird.
Das erste Ziel besteht vielmehr darin, aus einer größeren Trefferliste einige wenige Kandidaten auszuwählen, die anschließend detailliert untersucht werden.
Dabei ist entscheidend, warum ein Markt weit oben steht. Handelt es sich um ein Reversal? Eine außergewöhnliche ATR-Bewegung? Ein interessantes technisches Niveau? Einen auffälligen COT-Bereich? Eine saisonale Phase? Oder treffen mehrere Faktoren gleichzeitig zusammen?
Je besser der Grund für einen Treffer verstanden wird, desto sinnvoller lässt sich anschließend beurteilen, ob die Situation im Chart wirklich das hält, was die Scanner-Auswertung zunächst vermuten lässt.
Chartanalyse
Das technische Gesamtbild prüfen
Der Scanner findet Auffälligkeiten anhand definierter Daten. Der nächste Blick sollte deshalb immer dem tatsächlichen Chart gelten.
Angenommen, Gold erscheint weit oben in der Trefferliste, weil der Markt in die Nähe eines längerfristigen Tiefs gefallen ist und gleichzeitig ein Reversal-Kriterium erfüllt. Das klingt zunächst interessant. Nun muss jedoch geklärt werden, ob dort tatsächlich ein relevantes technisches Niveau liegt.
Wie verlief die Bewegung in den vergangenen Tagen? Handelte es sich um einen kontrollierten Rückgang oder um einen dynamischen Abverkauf? Gibt es bereits eine erkennbare Reaktion der Käufer? Wie weit liegt die nächste Unterstützung entfernt? Wo befindet sich der nächste relevante Widerstand?
Unterstützungen und Widerstände nicht isoliert betrachten
Ein Long-Setup kann technisch interessant aussehen. Befindet sich unmittelbar darüber ein massiver Widerstandsbereich, kann das mögliche Gewinnpotenzial trotzdem begrenzt sein.
Umgekehrt kann ein Short-Setup problematisch sein, wenn der Markt bereits unmittelbar vor einer starken Unterstützung steht.
Deshalb sollte nicht nur gefragt werden: „Ist hier ein Setup vorhanden?“ Die zweite Frage ist mindestens genauso wichtig: „Ist zwischen Einstieg und dem nächsten relevanten Hindernis genügend Platz für einen sinnvollen Trade?“
Volatilität
ATR und aktuelle Marktbewegung einordnen
Die Average True Range – kurz ATR – gibt einen Eindruck davon, wie groß die durchschnittliche Handelsspanne eines Marktes derzeit ist. Für die Tradeplanung ist diese Information ausgesprochen nützlich.
Ein Stop von zwanzig Punkten kann in einem ruhigen Markt weit entfernt sein. In einem hochvolatilen Markt kann derselbe Abstand dagegen innerhalb einer völlig normalen Schwankung erreicht werden.
Deshalb sollte ein Trade nicht ausschließlich anhand eines festen Punkt- oder Dollarabstands geplant werden. Die aktuelle Volatilität muss in Relation zur Marktstruktur betrachtet werden.
Eine außergewöhnlich große Tageskerze kann beispielsweise auf eine besondere Situation hinweisen. Daraus können unterschiedliche Szenarien entstehen: Fortsetzung der Bewegung, Konsolidierung, Pullback oder eine Übertreibung mit anschließendem Reversal.
Die große Kerze selbst liefert somit noch keine Handelsrichtung. Sie zeigt zunächst: Hier ist etwas Außergewöhnliches passiert. Erst die weitere Analyse entscheidet darüber, ob daraus ein handelbares Szenario entstehen kann.
Positionierung
COT-Daten als Kontext verwenden
Bei Futures steht mit dem Commitment-of-Traders-Report eine Informationsquelle zur Verfügung, die es in dieser Form bei vielen anderen Märkten nicht gibt.
COT-Daten zeigen, wie unterschiedliche Teilnehmergruppen positioniert sind. Häufig betrachtet werden unter anderem Commercials, Managed Money, Veränderungen gegenüber der Vorwoche, historische Extrembereiche und COT-Indizes über unterschiedliche Zeiträume.
Wichtig ist allerdings: COT ist kein Timing-Indikator. Eine extreme Positionierung bedeutet nicht automatisch, dass ein Markt am nächsten Tag drehen muss. Extremwerte können über längere Zeit bestehen bleiben.
COT wird deshalb besonders interessant, wenn die Positionierung mit anderen Faktoren zusammenkommt. Befindet sich ein Rohstoff beispielsweise an einem längerfristigen Unterstützungsbereich, zeigt erste technische Stabilisierung und gleichzeitig eine historisch auffällige Positionierung, entsteht ein anderes Gesamtbild als bei einem isolierten COT-Extrem.
Der richtige Gedankengang lautet deshalb nicht: „Die Commercials sind stark long, also kaufe ich.“ Sinnvoller ist: „Die Positionierung unterstützt möglicherweise mein technisch bereits interessantes Szenario.“
Historischer Kontext
Saisonalität richtig einordnen
Viele Futuresmärkte weisen saisonale Muster auf. Das gilt besonders für Rohstoffe und Agrarmärkte, deren Angebots- und Nachfragebedingungen teilweise durch Erntezyklen, Wetter, Lagerbestände, Produktionsphasen oder typische Verbrauchsperioden beeinflusst werden.
Aber auch hier gilt: Saisonalität ist kein Einstiegssignal. Ein Markt kann sich in einer historisch positiven saisonalen Phase befinden und trotzdem fallen.
Der Nutzen entsteht aus der Kombination. Entsteht technisch ein mögliches Long-Reversal, unterstützt COT eher die Long-Seite und beginnt gleichzeitig eine historisch positive saisonale Phase, besitzt das Szenario mehr Kontext als ein isoliertes Chartmuster.
Dabei geht es nicht darum, möglichst viele Indikatoren anzuhäufen. Gesucht werden möglichst unabhängige Informationen, die dieselbe Handelsidee unterstützen oder ihr widersprechen.
Qualitätskontrolle
Widersprüche ausdrücklich suchen
Einer der häufigsten Analysefehler besteht darin, nach einem interessanten Setup nur noch Informationen zu suchen, welche die eigene Meinung bestätigen. Ein strukturierter Prozess sollte genau das Gegenteil tun.
Nachdem eine Handelsidee entstanden ist, sollte bewusst gefragt werden: Was spricht gegen diesen Trade?
- COT widerspricht der Handelsrichtung.
- Die saisonale Tendenz ist ungünstig.
- Ein starker Widerstand liegt unmittelbar vor dem Ziel.
- Die aktuelle Volatilität macht einen sinnvollen Stop sehr teuer.
- Der Markt befindet sich mitten in einer unsauberen Seitwärtszone.
- Das Chance-Risiko-Verhältnis reicht nicht aus.
- Der Einstieg wäre bereits zu weit vom ursprünglichen Setup entfernt.
Das Ergebnis einer guten Analyse darf ausdrücklich „Kein Trade“ lauten. Ein Scanner ist bereits erfolgreich eingesetzt worden, wenn mehrere Märkte analysiert und ein großer Teil davon bewusst verworfen wird.
Planung
Erst jetzt einen konkreten Tradeplan erstellen
Erst wenn das Gesamtbild überzeugt, sollte aus einer Marktidee ein konkreter Tradeplan entstehen. Dieser sollte mindestens vier Punkte beantworten: Einstieg, Stop, Ziel und Chance-Risiko-Verhältnis.
Einstieg
Was muss passieren, damit tatsächlich gehandelt wird? Nicht nur „Ich möchte Gold kaufen“, sondern eine konkrete Bedingung, bei deren Eintreten der Einstieg überhaupt zulässig wird. Dadurch wird aus einer Meinung ein definierter Trigger.
Stop
Wo ist die ursprüngliche Handelsidee objektiv widerlegt? Der Stop sollte nicht ausschließlich danach gewählt werden, wie viel Geld verloren werden darf. Zuerst muss ein fachlich sinnvoller Invalidierungspunkt bestimmt werden.
Ziel
Ein realistischer Zielbereich berücksichtigt Marktstruktur, Unterstützungen, Widerstände und die aktuelle Schwankungsbreite. Ein theoretisch attraktives Ziel nützt wenig, wenn unmittelbar davor ein wesentliches technisches Hindernis liegt.
Chance-Risiko-Verhältnis
Erst aus Einstieg, Stop und Ziel ergibt sich das mögliche Chance-Risiko-Verhältnis. Ist dieses Verhältnis nicht attraktiv, wird auch ein interessantes Setup nicht automatisch zu einem guten Trade.
Risikomanagement
Die Positionsgröße kommt nach dem Stop – nicht davor
Ein Trader kann beispielsweise festlegen, dass er für einen einzelnen Trade maximal einen bestimmten Geldbetrag riskieren möchte. Das bedeutet jedoch nicht, dass der Stop so lange verschoben wird, bis dieser Betrag zufällig erreicht ist.
Ein sauberer Ablauf lautet:
- Technischen Einstieg bestimmen.
- Technisch sinnvollen Stop bestimmen.
- Abstand zwischen Einstieg und Stop berechnen.
- Daraus die passende Positionsgröße ableiten.
- Prüfen, ob der Trade mit dem eigenen Risikolimit überhaupt umsetzbar ist.
Ist die daraus resultierende Positionsgröße nicht praktikabel, kann die richtige Entscheidung wiederum lauten: Kein Trade.
Aufmerksamkeitsmanagement
Warum ein Marktscanner gerade bei Futures sinnvoll ist
Futuresmärkte bieten eine enorme Vielfalt. Aktienindizes können gerade ruhig sein, während Energie hochvolatil handelt. Edelmetalle können technische Wendepunkte erreichen, während Agrarmärkte saisonal interessant werden.
Diese Märkte jeden Tag vollständig manuell zu überwachen, ist zeitaufwendig. Ein Futures Marktscanner löst deshalb nicht das Problem der Handelsentscheidung. Er löst ein anderes Problem: Aufmerksamkeitsmanagement.
Der Trader muss nicht mehr jeden Markt gleich intensiv beobachten. Stattdessen wird die Aufmerksamkeit auf diejenigen Situationen gelenkt, bei denen aktuell mehrere relevante Faktoren vorhanden sind.
Genau auf diesem Prinzip basiert auch der EagleEye Futures Marktscanner. Die Software dient der strukturierten Vorauswahl. Beurteilen, planen und entscheiden bleibt Aufgabe des Traders.
Praxis
Ein sinnvoller täglicher Workflow
- Scanner starten: Das definierte Futures-Universum wird systematisch untersucht.
- Treffer sortieren: Die interessantesten Märkte kommen auf eine kurze Beobachtungsliste.
- Chart öffnen: Marktstruktur, Unterstützung, Widerstand und aktuelle Bewegung prüfen.
- Volatilität beurteilen: ATR und aktuelle Handelsspanne einordnen.
- COT kontrollieren: Unterstützt oder widerspricht die Positionierung der Handelsidee?
- Saisonalität prüfen: Gibt es einen zusätzlichen historischen Kontext?
- Gegenargumente suchen: Was könnte die Idee unattraktiv oder ungültig machen?
- Einstieg, Stop und Ziel festlegen.
- Chance-Risiko-Verhältnis berechnen.
- Positionsgröße bestimmen.
- Entscheidung treffen: Trade oder bewusst kein Trade.
Ein solcher Ablauf macht den Scanner zu einem Bestandteil eines wiederholbaren Handelsprozesses. Die einzelnen Schritte sind nachvollziehbar und können später überprüft werden.
Grenzen
Was ein guter Futures Marktscanner nicht tun sollte
Je mehr Informationen ein Scanner verarbeitet, desto größer ist die Versuchung, daraus eine scheinbar eindeutige Handelsentscheidung abzuleiten. Genau das wäre problematisch.
Kein Score und keine Kombination von Indikatoren kann die Unsicherheit der Märkte beseitigen. Ein Scanner sollte deshalb nicht suggerieren: „Dieser Markt wird steigen.“
Seine eigentliche Stärke lautet: „Hier liegen momentan mehrere Faktoren vor, die eine genauere Analyse rechtfertigen.“
Langfristig verbessert sich Trading nicht dadurch, dass Entscheidungen vollständig an Software delegiert werden. Es verbessert sich dann, wenn Entscheidungen systematischer, nachvollziehbarer und wiederholbarer werden.
Nach dem Trade
Scanner und Trading Journal gehören logisch zusammen
Der Prozess endet nicht mit dem Schließen einer Position. Danach stellt sich die nächste wichtige Frage: War die ursprüngliche Entscheidung gut – unabhängig davon, ob der Trade Geld verdient hat?
Genau hier ergänzt ein Trading Journal den Scanner.
Im Scanner entsteht: Beobachtung → Analyse → Auswahl → Tradeplan.
Im Trading Journal entsteht anschließend: Dokumentation → Ergebnis → Reflexion → Statistik → Erkenntnis.
Ein profitabler Trade kann schlecht geplant gewesen sein. Ein Verlusttrade kann dagegen hervorragend vorbereitet und regelkonform umgesetzt worden sein.
Wer diese Unterschiede nicht dokumentiert, sieht langfristig hauptsächlich Gewinn und Verlust, aber nicht die Qualität des eigenen Handelsprozesses. Mehr dazu erklärt unser Tradingtagebuch-Ratgeber.
Fazit
Der Scanner findet Möglichkeiten – der Trader entscheidet.
Der größte Vorteil eines Futures Marktscanners liegt nicht zwangsläufig darin, mehr Trades zu finden. Er liegt darin, weniger Zeit mit irrelevanten Märkten zu verbringen und die wirklich interessanten Situationen gründlicher zu analysieren.
Ein strukturierter Entscheidungsweg kann beispielsweise lauten: Technik → Volatilität → COT → Saisonalität → Gegenargumente → Einstieg → Stop → Ziel → Risiko → Entscheidung.
Wer zunächst noch genauer verstehen möchte, welche Aufgaben ein Scanner übernimmt und welche Informationen dafür ausgewertet werden können, findet die Grundlagen im ausführlichen Ratgeber zum Futures Marktscanner .